Experience the Dream

Experience the Dream

Das Projekt

Als ich zum ersten Mal mit Donnie, dem Chef von Hamboards, über das Projekt sprach, fuhr ich von einer Surf-Session am Seaside Reef in San Diego zurück zum Unterricht. Ich erinnere mich noch genau daran, wie voll der Spot am Riff immer ist und wie wir das nutzen konnten, um das Surf-Skate-Produkt „Hamboards“ in einem Film und vielleicht es sogar an einem Frauenfilmfestival zu präsentieren. Wir sprachen über eine Surf-Session auf der Ranch (Kelly Slaters Wavepool). Dort wollten wir die Idee meiner eigenen „privaten Welle“ betonen.

Ein kalifornisches Mädchen zu zeigen, das von den überfüllten Stränden Kaliforniens genervt ist, war mehr als realistisch. Nach einer frustrierenden Surf-Session schläft sie in dem Film ein. In ihrem „Traum“ surft sie dann im Wavepool. Sie hat die Zeit ihres Lebens, während sie bei Kelly Slater perfekte Wellen surft und strahlt über das ganze Gesicht – bis sie aufwacht. Nachdem sie erkannt hat, dass ihre Erfahrung „nur ein Traum“ war, geht sie nach draußen, um mit ihren Freunden auf den Hamboards zu Skaten und ihre eigene „private Welle“ zu kreieren.

Die Logistik

Ich wusste nicht, ob dieses Projekt stattfinden würde, da Kelly Slaters Wave Pool ein begehrter Ort ist und nur ein ausgewählter Kreis von wohlhabenden Leuten oder Profisurfern Zugang hat. Ein paar Monate später bekamen wir die Bestätigung, dass ich tatsächlich in den Wavepool von Kelly Slater dürfe. Ich konnte nicht glauben, dass ich an einen Ort fahren würde, der so legendär war und gleichzeitig unerreichbar zu sein schien. Ich habe endlose Videos über diese Welle gesehen, seit Kelly seine erste Fahrt mit der Wellenmaschine dokumentiert hat. Wie aufgeregt ich sein würde, wenn es endlich losging…

Ein paar Wochen später wurde der Termin dann verschoben. Die Enttäuschung war groß, aber auf wundersame Weise bekamen wir einen neuen Termin. Wieder bekam ich dieses Kribbeln. Ich erzählte jedem, der es hören wollte oder nicht davon, nachdem die Zeit bei Kelly hundertprozentig bestätigt war. Ich fühlte mich wie der geeignetste Mensch und hätte die ganze Nacht tanzen können, als ich die Reservierung von der Ranch in den Händen hielt. Gleichzeitig erkannte ich, wie süchtig ich nach Surfen war!

Die Reise

Ich erinnere mich, dass wir ein paar Wochen nach meinem Geburtstag auf die Ranch fuhren. Wir brauchten ungefähr drei Stunden, um von unserem Haus in Topanga, Kalifornien, dorthin zu gelangen. Ich konnte die Nacht zuvor nicht schlafen, es schien nicht real zu sein und es war als würde ich eine Fernreise machen. Mein Vater und ich fuhren ins Landesinnere, Richtung nirgendwo, wie es schien. An der Strecke lagen kleine Städte, Dörfer und Ranches. Die Luft war trocken und kalt, es fühlte sich fast so an, als würde ich in Mammoth zum Snowboarden fahren, anstatt im Sunshine State surfen.

Weil ich in der Nacht davor kaum ein Auge zu gemacht hatte, verschlief ich die längste Strecke der Autofahrt. Die Zeit verflog und schon bald kamen wir in Lemoore an. Als wir eincheckten, bemerkte ich, dass das Hotel auch ein Casino mit „indianischer Deko“ war. Die Einrichtung glich eher einem Geschichtsmuseum. Das Dekor und die Architektur passten nicht gut zusammen. Ich erinnere mich an den Geruch im Casino, eine eklige Mischung aus altem Zigarettenqualm und Alkoholdunst. Mein Vater meinte, wir sollten das Casino erkunden, da wir früher als erwartet im Hotel ankamen. Wir gingen herum und stellten fest, dass die Mahlzeiten relativ billig waren. Es gab viele Menschen hispanischer Abstammung und die Anspannung war fühlbar. Dieses Casino war nicht so glamourös wie das Bellagio in Las Vegas. Dieser Ort sah aus, wie ein Ort der Verzweiflung. Ich sah Leute, die sich an die Schlitze klammerten, als hätten sie ihren letzten Teil ihrer Ersparnisse weggeblasen.

Das Casino fühlte sich nicht weniger nach Entertainment an, stattdessen schienen die Slots der Glücksspielautomaten eine Notwendigkeit zu sein. Schon bald konnte es nicht mehr ertragen, ich musste schlafen gehen, weil wir am nächsten Morgen pünktlich um sechs Uhr morgens auf der Ranch sein sollten. Irgendwie bin ich fest eingeschlafen.

Die Ranch

Der nächste Tag begrüßte mich mit einem nebligen Morgen. Ich stand so schnell auf, wie ich konnte und schüttelte meinen Vater, um ihn wach zu machen, dessen Begeisterung darüber, sich in Grenzen hielt. Wir eilten aus dem Hotel – in Rekordzeit in die Lobby und auf die Straße, da wir nicht wussten, wie lange die Fahrtzeit zur Surf-Ranch war. Dort angekommen, warteten wir allerdings zwanzig Minuten im Auto, bevor mehr Fahrzeuge auftauchten. Es fühlte sich tatsächlich wie ein Traum an. Der Nebel waberte über dem Boden. Die Surf Ranch sah eher aus wie ein Country Club und fühlte sich auch so an.

Als wir durch die Türen gingen, sah ich Reihen von Firewire-Surfbrettern. Der ganze Raum war vollgestellt mit ihnen. Und dazwischen standen welche mit unserem Namen drauf. Wir schlenderten durch den ersten Raum, gefolgt von einem zweiten Zimmer, in dem ein Fernseher und ein Buffet aufgebaut waren. Auf dem Frühstückstisch lag der eleganteste Avocado-Toast, den ich je gesehen habe, zusammen mit anderen Snacks wie Hummus, Kaffee und Obst. Das hier war besser als die vier Jahreszeiten, das Hilton, das Estancia Hotel und das Ritz Carlton.

Die Mitarbeiter erklärten, was uns beim Surfen erwarten würde, zeigten stolz den Whirlpool, den Jam-Raum zum Musizieren (!), und sie waren immer da, um Fragen zu beantworten. Das Designs der Ranch war erstaunlich. Sie hatte ländliche Atmosphäre mit modernen Elementen aus der Mitte des Jahrhunderts in die Architektur gebaut. Alles schien perfekt platziert zu sein und jeder der sechs Teilnehmer war begeistert.

https://youtube.com/watch?v=ONTUCXEOOD8%3Ffeature%3Doembed

Die Welle

Die Welle selbst sah unglaublich falsch aus. Sie war etwas, wovon wir während des Unterrichts in der Schule träumen oder wenn die Wellen wieder mal flach sind. So eine perfekte Welle gibt es eigentlich nicht.

Unsere Gruppe stand mit drei Personen auf einer Seite des Pools, während sich die anderen drei am gegenüberliegenden Ufer formierten.

Bei mir standen zwei aufgeregte Groms, mit denen ich aber klar kam. Eine Stunde lang surfte ich die perfekteste Welle der Welt. Im Laufe der ersten Session begann der Nebel zu verschwinden, die Sonne kam heraus, drang durch die feuchte Morgenluft und warf ein unwirkliches Licht auf das glitzernde Wasser. Es sah so aus, als hätten wir trotz des extrem kalten Wetters das Paradies gefunden.

Ich probierte so viele Boards wie möglich aus: Erst ein Shortboard, dann ein Fish, Longboard, und am Ende ein Funboard. So konnte ich diese Gelegenheit optimal nutzen und herausfinden, mit welchem Board ich am besten zurechtkam. Zudem wollte ich so viel Filmmaterial wie möglich generieren.

Durch die Art und Weise, wie die Welle aufgebaut ist, hat jeder die Chance , ab einer Flagge zu einer anderen Flagge zu surfen, die den Surfbereich eingrenzte. Dann ist der Nächste dran. Oder jede Person kann zwei Wellen pro Sitzung nehmen. Hin- und Rückflug Ticket mit der Slater Dream Airlines.

Unsere Gruppe entschied sich dafür, die Wellen zu teilen, damit wir alle mehr Zeit zum Surfen haben und weniger das Risiko, etwas im Wellenpool von Kelly Slater zu verpassen, was sich als Superlativ darstellte. Ich habe an diesem Tag viele Wellen bekommen, aber meine beste Session war die letzte, in der ich die blaugrüne Schönheit perfekt anpaddelte.

Man muß in dem Wavepool umdenken. Jede Welle wird exakt berechnet. Normalerweise versucht ein Wellenreiter, sein Surfen an die jeweilige Section anzupassen und ist auf Überraschungen gefaßt. Hier war es nicht nötig. Eine Welle glich der anderen und der Flow wurde nicht durch Unwägbarkeiten unterbrochen. Man muß keine Barrel suchen oder den Wendepunkt finden. Es hat etwas von Skatepark – alles ist schon da.

Nach langen vier Stunden Surfen im Wellenbad fühlte ich mich wie der glücklichsten Mensch auf Erden. Ich erinnere mich an mein Dauergrinsen. Nach der letzten Welle des Tages, aßen wir alle zusammen, um einen fantastischen Tag abzurunden. Zum Abschluß gab es Kuchen und ich spielte ein wenig Gitarre. Die dreistündige Rückfahrt war anstrengend, doch wurde sie von einem Erlebnis überstrahlt, was ich mein ganzes Leben niemals vergessen würde.

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